Basel II: was Ihre Bank von Ihnen will
(20.08.06)
In einer Kooperation von
• Bundesministerium für Wirtschaft und Arbeit
• Kammer der Wirtschaftstreuhänder
• Österreichischer Nationalbank
• Wirtschaftskammer Österreich und
• Wirtschaftsförderungsinstitut
ist im August 2006 eine rund 100 Seiten starke Broschüre mit dem Titel
"Rating-Kennzahlen, 24 Branchen im Vergleich" erschienen.
Darin nehmen diese Kennzahlen rund die Hälfte der Seiten ein.
Den übrigen Inhalt, also die andere Hälfte, haben wir für Sie nachstehend auszugsweise zusammengefasst, weil die Banken sich an diese ab 1.1.2007 für sie verpflichtende "Neue Basler Eigenkapitalvereinbarung" immer strikter halten. Damit wird das durch "Basel II" vereinheitlichte Rating der Kreditkunden für Unternehmen zunehmend wichtiger.
1. Die Bedeutung der Klein- und Mittelunternehmen (KMU) für die Volkswirtschaft
Die KMU-Definition der Europäischen Kommission ist seit
1.1.2005 in Kraft.
Danach sind
• Kleinst- und Kleinunternehmen solche mit weniger als 50 Beschäftigten und höchstens 10 Mio. EUR Umsatz und
• mittlere Unternehmen darüber hinaus solche mit weniger als 250 Beschäftigten und höchstens 50 Mio. EUR Umsatz oder 43 Mio. ER Bilanzssumme.
In Österreich gehören zu den KMU nach dieser Definition
• mehr als 99% der Unternehmen,
• sie stellen 61% der Arbeitsplätze (aller Arbeitsplätze einschliesslich derer in Nichtunternehmen, wie Behörden usw.) und
• sie erzielen 58% der Bruttowertschöpfung.
2. Die Situation der KMU in Österreich
Die Auswertung der Bilanzen 2003 und 2004 von 80.000 bilanzierenden Unternehmen durch die KMU-Forschung Austria ergab folgendes Bild:
(in % der ausgewerteten Unternehmen)
13%: Eigenkapital größer als 20%, Umsatzrendite über 5%,
27%: Eigenkapital immerhin nicht negativ, es werden bescheidene Gewinne erzielt.
Das bedeutet, dass also (nur) 40% der Unternehmen gesund sind.
Über die nicht gesunden lässt sich sagen:
23%: Eigenkapital zwar solide, aber es wird Verlust gemacht,
15%: Eigenkapital negativ, aber immerhin wird Gewinn erzielt,
22%: sowohl Eigenkapital als auch Ertrag sind negativ.
38% der bilanzierenden KMU weisen also kein oder ein negatives EK aus.
Die Umsatzrendite beträgt im Durchschnitt über alle Unternehmen nur nominal 2%; unter Berücksichtigung von rechnerischem Unternehmerlohn und rechnerischer Eigenkapitalverzinsung befinden sich 45% der KMU in der Verlustzone.
Dass da die Kreditinstute angesichts der Ihnen abverlangten eigenen Eigenkapitalvorschriften heftig darum bemüht sind, sich aus dem Kuchen der kreditsuchenden Unternehmen die Rosinen herauszuklauben, ist wohl verständlich.
Die Unternehmen stehen also im Wettbewerb um Kredite und günstige Konditionen
und tun gut daran, die Regeln zu kennen, nach denen die Kreditinstitute bei dieser Rosinensuche vorgehen.
3. Was ist und was will und was kann "Basel II "?
"Basel II" ist die Kurzbezeichnung für die ab 1.1.2007 verpflichtenden "neuen Basler Eigenkapitalvereinbarung". Diese Vorschriften zwingen die Banken, die Bonität Ihrer (Kredit-)Kunden stärker und nach vereinheitlichten Kriterien
zu berücksichtigen.
Dadurch soll eine verbesserte Differenzierung zwischen sichereren und riskanteren Krediten ermöglicht werden.
Das zentrale Instrument von Basel II ist das "Rating".
Was ist Rating?
Rating ist die standardisierte Aussage über die Fähigkeit eines Unternehmens, seinen gegenwärtigen und zukünftigen Verpflichtungen an Zinszahlungen und Kapitaltilgung vollständig und termingerecht nachzukommen. Rating ergibt sich also aus der Ermittlung und Beurteilung von Kriterien, die diese Aussage ermöglichen.
Welche Maßstäbe werden angelegt?
a) Hard facts:
aus dem Rechenwerk werden Kennzahlen ermittelt (und unter Umständen je nach Bank verschieden gewichtet), nämlich
dynamische Kennzahlen: insbesondere
ROI (return on investment), cash flow, Umschlagsrentabilität und Debitorenziel;
statische Kennzahlen: insbesondere Eigenkapitalquote und Anlagendeckung.
b) Soft facts:
Die Bank beurteilt anhand ihr zur Verfügung stehender Informationen das Management, das Rechnungs- und Berichtswesen, die Organisation, den Markt und die Marktentwicklung, die Auftragslage und Auslastung und das Überziehungsverhalten (die unmittelbare Kunde-Bank-Relation).
4. Was bedeutet das alles für die Unternehmen, die Kreditnehmer sind?
Die Antwort ist klar: im Wettbewerb um Kredite und gute Konditionen muß das Unternehmen aktives Ratingmanagement betreiben, nämlich von sich aus die Bank mit den Informationen ausstatten, die sie brauchen könnte (und nicht erst passiv warten, was denn da so alles verlangt wird und sich darüber dann womöglich noch entrüsten).
Unabdingbare Werkzeuge zur Bereitstellung der Informationen sind
• ein standardisiertes Rechenwerk,
• eine regelmäßige Planung samt Soll-Ist-Vergleich und
• ausführliche Berichtsroutine.
Um der Bank solide Auskunft an die Hand zu geben, sollte das Unternehmen selbst seine eigene Position bestimmen: es sollte seine
eigenen Kennzahlen selbst erarbeiten und möglichst auch einen Branchenvergleich heranziehen (den Vergleich zu den Branchendurchschnittswerten herstellen), wozu der Datenteil der Broschüre dienen kann.
Wichtig ist für das Ergebnis des Ratings auch die jeweilige Aktualität der zur Verfügung gestellten Unterlagen.
In einem weiteren Abschnitt stellen die Autoren der Broschüre die wichtige Rolle des Steuerberaters und Unternehmensberaters klar (und die Autoren sind keineswegs nur Steuerberater).
Schliesslich folgt noch die Darstellung eines Musterjahresabschlusses (beispielhaft eines österreichischen Kleinunternehmens in der Rechtsform einer Kommanditgesellschaft).
5. Serviceteil
Abschliessend enthält die Broschüre noch eine kurze Darstellung der österreichisschen "Förderlandschaft" und wichtige Adressen.
(MT)